2022|01 PETER DORN ( 1938 – 2024 )

 

 

 

 

 

 

 

 

PETER DORN wurde 1938 in AUSSIG/ELBE (USTI NAD LABEM, CZ) geboren, im August 1945 vertrieben. Seit 1949 lebt D. in Regensburg.

Nach seiner Ausbildung in einem Regensburger Werbeatelier (1955-60) studierte er Angewandte Grafik bei Prof. Karl Hans Walter an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (1960-63).

 

PETER DORN – „16 !“ – „Ihr könnt malen was Ihr wollt“ – 137/146 – 2021 – Collage/Unikat – 30×30 cm – foto|gwa

Die Dorn`sche Jahresgabe 2021 mit dem Titel: „16!“ besteht aus sechzehn farbigen, ausgestanzten, runden Kartonscheiben, die in Form eines Quadrates auf Fotokarton geklebt sind. Jede dieser Jahresgaben unterscheidet sich in der Kombinatorik der bunten Kartonscheiben. Jede Collage ist ein Unikat, nummeriert, signiert und datiert.

Die Dynamik der bunten Kreise wird durch die strenge, gleichmäßige Anordnung gebannt und strahlt so eine gewisse Ruhe aus. Dieses Gleichgewicht wird erst gestört durch die Aneinanderreihung mehrerer Fakultätsvarianten; je mehr Varianten, desto unruhiger. In der optischen Wirkung entsteht Lebendigkeit bis hin zum Chaos.

Die Anzahl der Möglichkeiten, die Reihenfolge der bunten Kartonscheiben zu ändern, lässt sich über die Fakultät der Zahl 16 errechnen: nahezu 21 Billionen (exakt 20 922 789 888 000) Neuordnungen wären mit großem Zeitaufwand realisierbar. Die enorme Zahl der Kombinationsmöglichkeiten, wie auch die Vorstellung an einer Umsetzung, ist die Grundidee von „16!“ und entspricht der konzeptuellen Arbeitsweise von PETER DORN.

Ein Spiel von Geometrie, Farbe und Mathematik.

Dr. Kirsten Remky

Verein der Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg e.V.

 

 

 

….Eines von Dorns jüngsten Projekten ist seine Arbeit mit Kindermalkästen – allerdings ganz und gar anders. Lassen wir den Künstler selbst zu Wort kommen:

„Die Farben sind in den Malkästen ja sortiert. Wenn man diese Felder herausbricht und neu ordnet, ist das ein unheimlicher Eingriff. Hier beschäftige ich mich zwar mit Malerei, aber ich male nicht, sondern arbeite nur mit den Farbfeldern. Durch die Neuordnung der zwölf Farbfelder gibt es 479 Millionen Variationen.“

Mal sehen, wie viele Variationen Dorn schafft.

 

Auszug aus „Ausnahmetalent aus Aussig“, ein Bericht der Sudetendeutschen Zeitung, Kultur, Folge 7|14.2.2020, Markus Bauer
PETER DORN – „12 ! “ – 108 Malkästen/Aquarellfarbe 8×22 cm – 2022 – foto|gwa
PETER DORN – „12!“ – 2019 – foto|gwa

„ Fakultät  12 “  12 !  , 2019

Es handelt sich um 108 handelsübliche Billigtuschkästen, die nebeneinander

aufgereiht sind. Bei näherer Betrachtung der Kästen fällt auf, dass die in ihnen

enthaltenen Farbpigmentschälchen jeweils anders angeordnet sind.

Das war denn auch der Ausgangspunkt der Arbeit.

Erst als Dorn sie einen Mathematiker zeigte, kam eine weitere Dimension hinzu

,nämlich die rechnerische Formel, wieviel Kombinationsmöglichkeiten es wohl

gäbe. Es sind über 479 Millionen ! Genauer 479 001 600 ! Eine schier unendlich

anmutende Zahl, die aber endlich ist.

Jenseits dieser Zahlenfaszination thematisiert das Werk noch etwas ganz anderes.

Denn was ist es anderes als Malerei, was uns hier vor Augen tritt ? Nicht mit dem

Pinsel auf Leinwand gesetzt, sondern im Farbkasten neu arrangiert !

Überspitzt und mit Augenzwinkern gesagt, ist „ Fakultät 12 “ unter anderem eine

Art neoimpressionistisches oder pointilistisches Werk, mit neuen Mitteln.

Wichtig ist dem Künstler, die gedankliche Erweiterung zu den billigen Materialien,

die hier Verwendung fanden – es handelt sich dabei schlicht und einfach um

Massenware.

In der Geschichte der Kunst kommen einem Beispiele, wie das Pissoir oder der

Flaschentrockner in den Sinn, industriell gefertigte Waren, deren plastische oder

skulpturale Qualitäten den Dadaisten Marcel Duchamp dazu bewogen, sie als

fertige Kunstwerke im musealen Kontext zu präsentieren und damit den Kunstbe-

trieb bloß zustellen.

Dr. Reiner Meyer

PETER DORN – Perforation IV/16″ – 2016 – Collage – 70x70cm – foto|gwa
PETER DORN – von links/from left – Perforation III/17 – 2017 – Collage – 70×70 cm – KVL 50/II – 2021 – collage – 40×40 cm – Kalendaruim 87 – 2016 – Collage – 50×50 cm – foto|gwa
PETER DORN – von oben/from above – Feltrini mobili – III – 2016 – Filz/Karton – 40×40 cm – Feltrini mobili II – 2016 – Filz/Karton – 40×40 cm – foto|gwa
PETER DORN – PACIFIC 231 – 2011 – Collage 27×118 cm – foto|gwa

…oder Strichcodes auf der Rückseite von Eisenbahntickets. (…) solche Strichcodes abgeschnitten und aneinandergereiht – das erinnert auch ein wenig an Gleise.

Auszug aus „Ausnahmetalent aus Aussig“, ein Bericht der Sudetendeutschen Zeitung, Kultur, Folge 7|14.2.2020, Markus Bauer